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JiL_2025_01_14 Neu Moderne Texte in den Unterricht, Arbeitskreis 1

"Hafti Abi"

Der Schleswig-Holsteinische Landtag und die Landesregierung werden aufgefordert, sich für eine Neuorientierung der Lehrpläne der Fächer Musik und Deutsch einzusetzen, damit in Gemeinschaftsschulen, Gymnasien und berufsbildenden Schulen eine umfassende Auseinandersetzung mit Texten deutscher Interpreten moderner Genre, beispielsweise des Rap und Hip-Hop Genres der letzten 2 Jahrzehnte stattfinden kann. Im Deutsch-Abitur sollen außerdem bei den Wahlaufgaben „Interpretation literarischer Texte“ und „literarische Erörterung“ Texte oder Textauszüge modernerer Literatur in die Auswahl gelegt werden. Die Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Behandlung dieser Textarten im Unterricht der Qualifikationsphase.

Wir GRÜNE finden es grundsätzlich sinnvoll, wenn Unterricht an die Lebenswelt junger Menschen anknüpft – dazu können selbstverständlich auch Rap- und Hip-Hop-Texte gehören, wenn sie pädagogisch und fachlich geeignet sind. Die Fachanforderungen legen dabei keine konkreten Werke fest, sondern beschreiben Kompetenzen und Inhalte. Welche Texte und Medien im Unterricht konkret eingesetzt werden, entscheiden Schulen und Lehrkräfte im Rahmen dieser Vorgaben.

Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Linke begrüßt die Einbeziehung moderner Genres wie Rap und Hip-Hop in den Unterricht. Dies kann Schüler*innen motivieren und zur kritischen Auseinandersetzung mit Texten, gesellschaftlichen Themen und Alltagskultur anregen. Allerdings sollte dies nicht zu Lasten klassischer Literatur gehen, Vielfalt ist wichtig.

Lorenz Gösta Beutin, Landesgruppensprecher der schleswig-holsteinischen Abgeordneten der Linken im Bundestag

Die Forderung, die Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler stärker mit den schulischen Inhalten zu verknüpfen, ist bildungspolitisch sinnvoll und zeitgemäß. Der Deutsch- und Musikunterricht sollte nicht nur kulturelles Erbe vermitteln, sondern ebenso die Analyse- und Urteilsfähigkeit im Umgang mit zeitgenössischen Kulturphänomenen fördern. Die Landesgruppe unterstützt diese Forderung als Ergänzung und Modernisierung der bestehenden Unterrichtsinhalte.

Nina Scheer, Landesgruppensprecherin der schleswig-holsteinischen Abgeordneten SPD im Bundestag

Als Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag setzen wir uns dafür ein, Bildung stärker an den Lebensrealitäten, Interessen und Potenzialen von jungen Menschen auszurichten. Dazu zählt auch eine Stärkung von kultureller Bildung im Unterricht, entsprechend der Vielfältigkeit von Kultur. So können zeitgenössische Literatur und aktuelle Musik einen wichtigen Beitrag leisten, um gesellschaftliche Entwicklungen verständlich zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit Sprache und Medien zu fördern. Die konkrete Ausgestaltung von Lehrplänen, sowie Unterrichts-und Abiturinhalten fällt jedoch in die Zuständigkeit der Länder.

Denise Loop, Landesgruppensprecherin der schleswig-holsteinischen Abgeordneten Grüne im Bundestag

Es ist aus unserer Sicht immer sinnvoll, im Deutschunterricht moderne Genres kennenzulernen und zu bearbeiten. Gerade Texte, die die Lebenswelt der Schüler:innen wiederspiegeln, sei es aus dem Hip Hop, dem Pop oder anderen (auch literarischen) Genres, können den Zugang zu lyrischen Texten noch einmal auf eine andere, niedrigschwelligere Art öffnen. Selbstverständlich bieten auch moderne Texte klassische rhetorische Mittel oder komplexe Reimschemata und eignen sich ebenso wie ältere klassische Texte für die Befassung im Unterricht. Denn die Methoden der Textanalyse sind universell. Allerdings sind die Lehrpläne aus unserer Sich bereits heute so offen ausgestaltet, das dies ohne weiteres im Unterricht möglich wäre. Im Musik-Unterricht sehen wir nicht unbedingt die Notwendigkeit, explizit deutschsprachige Lieder festzuschreiben. Für uns als SSW ist vor allem wichtig, Lehrkräften die Möglichkeit zu geben, ihren Unterricht vielfältig ausgestalten zu können. Dafür brauchen sie ausreichend Vorbereitungszeit und Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung.

SSW-Landtagsfraktion

Grundsätzlich sollen Lehrkräfte sich stets darum bemühen, ihren Unterricht auch an den Interessen der Schüler*innen auszurichten. Das bedeutet, dass man selbstverständlich auch heute schon in Deutsch, Musik und allen anderen Fächern Themen einbauen kann, die einen Bezug zur Gegenwart haben. Rahmenpläne werden alle fünf bis zehn Jahre überarbeitet, auch dort finden Modernisierungen statt. Dies ist aber eher ein Thema, das Schüler*innen im Dialog mit ihrer jeweiligen Lehrkraft lösen sollten.

SPD-Landtagsfraktion

Lehrpläne dürfen kein Museum sein, sondern müssen laufend an gesellschaftliche Entwicklungen angepasst werden, wenn Schule lebensnah bleiben und Bildungsziele erreichen soll. Moderne Textformen – ob Songtexte, Rap oder zeitgenössische Literatur – können dabei sinnvoll sein, wenn sie didaktisch sauber ausgewählt und im Unterricht kritisch analysiert werden. Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass es nicht um Trends geht, sondern um Kompetenzen: Sprache, Argumentation, Interpretation, kulturelle Bildung und Medienkompetenz. Wenn solche Texte in Prüfungen eine Rolle spielen sollen, muss das transparent vorbereitet werden mit klaren Kriterien für Qualität und Anspruchsniveau.

FDP-Landtagsfraktion

Im Fach Deutsch ist bereits heute im Rahmen der Fachanforderungen ein weiter Text- und Medienbegriff verankert. Schülerinnen und Schüler setzen sich mit literarischen, pragmatischen und medialen Texten auseinander, ausdrücklich auch in modernen und multimodalen Erscheinungsformen. Damit besteht bereits die Möglichkeit, zeitgenössische Texte – einschließlich moderner Liedtexte oder sprachlicher Ausdrucksformen – im Unterricht zu behandeln, sofern sie didaktisch geeignet sind und den Bildungszielen des Faches entsprechen. Gleichzeitig muss im Sinne der Fachanforderungen und der Bildungsstandards das Anforderungsniveau des Faches gewahrt bleiben, insbesondere mit Blick auf die wissenschaftspropädeutische Funktion der Oberstufe und die Vergleichbarkeit der Abiturleistungen. Auch im Fach Musik eröffnen die Fachanforderungen bereits heute einen breiten Zugang zu unterschiedlichen musikalischen Stilen und Erscheinungsformen. Der Musikunterricht umfasst ausdrücklich das aktive und reflektierte Musizieren, das Hören und Analysieren von Musik verschiedener Epochen und Genres sowie die Auseinandersetzung mit gegenwärtigen musikalischen Entwicklungen und populären Musikrichtungen. Damit sind moderne Genres wie Rap und Hip-Hop grundsätzlich bereits Teil eines offenen, kompetenzorientierten Musikverständnisses und können im Unterricht aufgegriffen werden, wenn sie musikpädagogisch sinnvoll eingebettet sind. Vor diesem Hintergrund sieht die CDU-Fraktion keine Notwendigkeit für eine verpflichtende Neuorientierung der Fachanforderungen oder zusätzliche Vorgaben für das Abitur. Schulen können den bestehenden Gestaltungsspielraum der Fachanforderungen nutzen und zeitgenössische Inhalte fachlich fundiert und auf angemessenem Niveau einbinden. Ziel der CDU-Fraktion bleibt ein lebensweltbezogener Unterricht, der zugleich fachliche Tiefe, methodische Qualität und ein verlässliches Leistungsniveau gewährleistet.

CDU-Landtagsfraktion