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JiL_2025_01_2 Jugendliche stärken: Kritik verstehen und selbstbewusst reagieren, Arbeitskreis 1

"Jugendliche stärken: Kritik verstehen und selbstbewusst reagieren"

Der Schleswig-Holsteinische Landtag und die Landesregierung werden aufgefordert, an allen weiterführenden Schulen in Schleswig-Holstein wird ein landesweites Programm „Kritikkompetenz“ eingeführt.

Das Programm umfasst:
1. Verstehen und reflektieren von Kritik
2. Umgang mit eigenen Emotionen bei Rückmeldungen
3. Praktische Übungen durch Rollenspiele und Feedback-Runden
4. Online-Module für konstruktiven Umgang mit Social-Media-Kritik
5. Teilnehmende Jugendliche erhalten Zertifikate und Mentoring, um die erlernten Fähigkeiten im Alltag anzuwenden.
6. Lehrkräfte und Schulsozialarbeitende werden fortgebildet, um das Programm qualitativ umzusetzen.

Das Programm wird regelmäßig evaluiert und bei Erfolg weiter ausgebaut.

Aus Sicht des SSW ist der souveräne und reflektierte Umgang mit kritischen Äußerungen wichtiger denn je. Nicht zuletzt, weil soziale Medien einen wachsenden Einfluss auf die Lebenswelt vieler – oft auch junger Menschen – haben, wächst auch der Anteil der allein schon hier geäußerten Kritik. Dass aber darüber hinaus sehr viele Themen zunehmend kontrovers diskutiert werden und in diesem Rahmen mitunter auch unsachlich kritisiert wird, ist leider kein ganz neues Phänomen. Ein landesweites Programm an allen weiterführenden Schulen kann hier durchaus einen Beitrag leisten. Auch die Forderung, nach der Lehrkräfte und Schulsozialarbeitende für die qualitative Umsetzung zuständig sind, klingt aus Sicht des SSW schlüssig. Wir geben allerdings zu bedenken, dass hierfür erhebliche finanzielle Mittel notwendig wären. Derzeit sehen wir bei den Regierenden nicht die Bereitschaft, in Zeiten knapper Kassen Haushaltsmittel für zusätzliche Aufgaben bereitzustellen. Noch dazu weisen auch die Schulen, Lehrkräfte und viele Schülerinnen und Schüler selbst immer wieder darauf hin, dass die Lehrpläne und Lerntage übervoll sind. Wir unterstützen diesen Ansatz gerne, halten es vor diesem Hintergrund aber für ratsam, keine überhöhten Erwartungen an eine schnelle und flächendeckende Umsetzung zu haben.

SSW-Landtagsfraktion

Ein solches Programm kann Jugendliche dabei unterstützen, mit Kritik umzugehen und selbstbewusst aufzutreten. Die Linke fordert jedoch, dass auch strukturelle Ursachen von Diskriminierung, Ausgrenzung und sozialer Ungleichheit thematisiert werden. Die Fortbildung von Lehrkräften und Schulsozialarbeit ist richtig, dafür müssen ausreichend Ressourcen bereitgestellt werden.

Lorenz Gösta Beutin, Landesgruppensprecher der schleswig-holsteinischen Abgeordneten der Linken im Bundestag

Wir Grüne unterstützen das Ziel, Jugendliche in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu stärken – dazu gehört auch, Kritik verstehen, reflektieren und konstruktiv damit umgehen zu können, gerade im Kontext von Social Media. Die meisten dieser Kompetenzen sind bereits heute in den Fachanforderungen und im schulischen Alltag angelegt und werden in unterschiedlichen Fächern und Formaten vermittelt, weshalb wir nicht den Bedarf für ein zusätzliches landesweites Pflichtprogramm sehen.

Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Angesichts der Veränderungen in der Streitkultur ist es wünschenswert, dass Schulen vermehrt die Kritikfähigkeit der Schülerinnen und Schüler fördern. Der gesellschaftliche Diskurs wird zunehmend von emotionaler Lagerbildung und digitalen Empörungswellen geprägt, was zu einer Krise des politischen Dialogs führt. Algorithmische Verstärkungsmechanismen in den Sozialen Medien tragen zusätzlich zur Polarisierung bei. Um die Debattenkultur zu stärken, ist daher eine frühzeitige Auseinandersetzung mit Kritikfähigkeit und respektvollem Diskurs unverzichtbar. Besonders Lernmodule, die den konstruktiven Umgang mit Kritik in sozialen Medien vermitteln, gewinnen in diesem Kontext an Bedeutung. Der Vorschlag ist daher grundsätzlich zu begrüßen, es sollte jedoch geprüft werden, in welchem Umfang und Rahmen das Programm in den Unterricht integriert werden kann.

Nina Scheer, Landesgruppensprecherin der schleswig-holsteinischen Abgeordneten SPD im Bundestag

Als Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen unterstützen wir die Forderung nach mehr Möglichkeiten Kritikkompetenz in der weiterführenden Schule zu erwerben. Insbesondere bedarf es pädagogische Angebote, denen es Kindern- und Jugendlichen erlaubt auf Augenhöhe eigene Werte und Normen, ihre Emotionen und Gefühle zu akzeptieren und zu reflektieren. Eine gestärkte Schulsozialarbeit ist dafür die Grundlage. In der Ampelregierung haben wir durch das Programm „Startchancen“ zusätzliche Mittel an Schulen mit größerem Bedarf bereitgestellt. Die konkrete Ausgestaltung ist jedoch Ländersache, weshalb hier an die Landesebene verwiesen werden muss.

Denise Loop, Landesgruppensprecherin der schleswig-holsteinischen Abgeordneten Grüne im Bundestag

Schule ist ein sozialer Ort. Es ist wichtig, dass Schüler*innen lernen, respektvoll miteinander umzugehen. Dabei spielt die Kompetenz, konstruktive Kritik zu äußern und auf diese angemessen zu reagieren, eine wichtige Rolle. Eine gute Schulkultur sorgt dafür, dass prosoziales Verhalten gefördert und auch im Unterricht über das soziale Miteinander gesprochen wird. Dafür ist es wichtig, dass pädagogisch gut geschulte Lehrerkräfte sowie Schulsozialarbeit und Schulpsycholog*innen zusammenarbeiten. Die SPD setzt sich dafür ein, dass mehr Lehrerstellen geschaffen werden (Drs. 20/3014) und unterrichtende Lehrkräfte durch ein multiprofessionelles Team unterstützt werden (Drs. 20/945). Dies schafft Freiräume für Projekte wie das der „Kritikkompetenz“. Außerdem sollten Lehrkräfte dazu angehalten werden, dort, wo es sinnvoll ist, soziale Medien in den regulären Unterricht einzubeziehen. Damit werden Schüler*innen in ihrer Lebensrealität erreicht und es können sogar alltägliche Problemstellungen im Unterricht reflektiert werden.

SPD-Landtagsfraktion