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JiL_2025_01_36 Stundentafel an Schulen, Arbeitskreis 1

"Stundentafel an Schulen"

Der Schleswig-Holsteinische Landtag und die Landesregierung werden aufgefordert, die Kürzungen der Stundenzahl an weiterführenden Schulen rückgängig zu machen und die ursprüngliche Stundenzahl wiederherzustellen, um sicherzustellen, dass Schülerinnen und Schüler das erforderliche Wissen, die Fähigkeiten und die Kompetenzen in ausreichendem Umfang erwerben können.

Die Linke lehnt Kürzungen der Stundentafel ab. Eine gute Bildung braucht ausreichend Zeit und qualifizierte Lehrkräfte. Wir fordern die Rücknahme der Kürzungen und eine bessere Ausstattung der Schulen, insbesondere in sozial benachteiligten Gebieten.

Lorenz Gösta Beutin, Landesgruppensprecher der schleswig-holsteinischen Abgeordneten der Linken im Bundestag

Die Landesregierung hat bereits angekündigt, die u.a. die Unterrichtsversorgung zu ver-bessern und dafür insgesamt 254 Stellen an die Schulen zu geben. Gleichzeitig lassen sich die verbleibenden Kürzungen nicht einfach zurückdrehen: Ein Teil ergibt sich aus KMK-Vorgaben zur bundesweiten Angleichung der Oberstufe, und in Schleswig-Holstein hatten Schülerinnen und Schüler dort bislang – gemessen an diesen Vorgaben – mehr Unterricht als vorgesehen. Zudem beruhen Kürzungen auch auf Ergebnissen der Oberstufe-Evaluation, in der Schülerinnen und Schüler selbst eine zu hohe Stundenbelastung kritisiert hatten. Außerdem ist zu beachten, dass Schleswig-Holstein bei der Anzahl an Stunden im oberen Drittel im bundesweiten Vergleich lag.

Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Gerade zu einem Zeitpunkt, an dem Bildungsstudien bundesweit einen Abwärtstrend zeigen, sendet die Reduzierung der Unterrichtsstunden das falsche Signal. Hinzu kommt, dass auch unsere Demokratie zunehmend unter Druck steht. Umso schwerer nachvollziehbar ist es deshalb, warum unter anderem im Bereich der Gesellschaftswissenschaften Stunden eingespart werden sollen. Vor dem Hintergrund eines anhaltenden Lehrkräftemangels, steigenden Schülerzahlen und zunehmender sozialer Ungleichheit wäre das Gegenteil notwendig: mehr Investitionen in die Bildung. Da Bildungspolitik in Deutschland maßgeblich in der Verantwortung der Länder liegt, kommt den entsprechenden Entscheidungen auf Landesebene dabei eine besondere Bedeutung zu. Denn gute Bildung ist eine Grundlage für Chancengleichheit und damit für eine gerechtere Gesellschaft. Deshalb sollten Unterricht und Bildungsangebote grundsätzlich gestärkt und nicht weiter reduziert werden.

Nina Scheer, Landesgruppensprecherin der schleswig-holsteinischen Abgeordneten SPD im Bundestag

Der SSW lehnt die Kürzungen der Stundenzahl an den weiterführenden Schulen in Schleswig-Holstein entschieden ab. Schulen brauchen Planungssicherheit und dürfen nicht zum Spielball kurzfristiger Haushaltskonsolidierungen werden. In einer Zeit, in der die Anforderungen an junge Menschen durch Digitalisierung, komplexe globale Krisen und den Fachkräftemangel massiv steigen, ist eine Reduzierung der Lernzeit das völlig falsche Signal. Kürzungen treffen vor allem jene Schülerinnen und Schüler, die zu Hause keine Unterstützung erfahren. Wenn Schule Zeit und Raum zur Vermittlung von Basiskompetenzen und vertieftem Wissen verliert, vergrößert sich die soziale Schere. Kürzungen führen oft zu einer Verdichtung des Stoffs. Lehrkräfte müssen in weniger Zeit dasselbe leisten, was den psychischen Druck erhöht und die Qualität des Unterrichts mindert.

SSW-Landtagsfraktion

Die Kürzungen bei der Kontingentstundentafel sind vor dem Hintergrund der erforderlichen Haushaltskonsolidierung leider notwendig gewesen. Gleichzeitig ermöglichen wir den Schulen mehr Gestaltungsmöglichkeit zur Entwicklung ihres jeweiligen Schulprofils und stärken Mathe und Deutsch in der Grundschule. Wegen ihrer besonderen Bedeutung im Schulsystem ist uns wichtig, dass die Gemeinschaftsschulen besondere Ressourcen bekommen. Auch nach den Veränderungen bei der Kontingentstundentafel ist dies immer noch der Fall. Als Grüne Bundestagfraktion setzen wir uns für eine Stärkung der Schulfinanzierung ein, die auch über das Sondervermögen hätte finanziert werden können. Zur Bundestagswahl haben wir ein entsprechendes Finanzierungskonzept vorgelegt. Eine bessere Finanzierung und mehr Lehrpersonal sind der Grundstein für eine Erhöhung der Stundenzahl.

Denise Loop, Landesgruppensprecherin der schleswig-holsteinischen Abgeordneten Grüne im Bundestag

Die letzten Bildungsstudien (PISA, IQB-Bildungstrend) zeigen sinkende Leistungen von Schüler*innen, auch in Schleswig-Holstein. Es ist die Aufgabe der Landesregierung, diesen Trend zu stoppen und in die positive Richtung umzukehren. Die SPD hatte sich in einem gemeinsamen Oppositionsantrag gegen die Kürzung der Stundentafel ausgesprochen (Drs. 20/4026). Nach politischem und medialem Druck sah die Landesregierung sich gezwungen, auch die Kürzungen der Lehrkräftestellen zurückzunehmen. Die neuen (alten) Stellen kommen nun allerdings ausschließlich Gymnasien und Gemeinschaftsschulen zugute. Den Grundschulen und Förderzentren derweil wurden effektiv Stellen gekürzt. Die SPD begrüßt zwar, dass die Stellenzahl an weiterführenden Schulen erhöht wurde, allerdings sollte dies nicht auf Kosten von Kindern geschehen, die Unterricht und Betreuung ebenso benötigen. Das eigentliche Problem geht über die geplanten Stunden der Stundentafel hinaus. Es fällt schlichtweg immer mehr Unterricht aus. Wenn dies ersatzlos geschieht oder durch EvA ersetzt wird, kann nicht garantiert werden, dass Schüler*innen gemeinsam lernen und sich bestmöglich auf ihre Tests, Arbeiten und Abschlüsse vorbereiten können. Deshalb setzt sich die SPD ganz generell für die Schaffung von mehr Lehrkräftestellen ein (Drs. 20/3014).

SPD-Landtagsfraktion

Die FDP-Landtagsfraktion unterstützt diese Forderung.

FDP-Landtagsfraktion

Gute Bildung und eine verlässliche Unterrichtsversorgung haben für uns höchste Priorität. Schülerinnen und Schüler brauchen ausreichend Zeit zum Lernen, zur Vertiefung von Inhalten und zur Entwicklung der Kompetenzen, die sie für ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg benötigen. Deshalb hat die schwarz-grüne Koalition mit der Bildungsoffensive 2026 bewusst einen Schwerpunkt auf die Stärkung der Unterrichtsversorgung gelegt. Mit insgesamt 254 zusätzlichen Lehrkräftestellen investieren wir gezielt in bessere Bildungsqualität und weniger Unterrichtsausfall an weiterführenden Schulen. Davon entfallen allein 200 Stellen auf die Sekundarstufe I. Ziel ist es, die Unterrichtsversorgung an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen auf mindestens 103 Prozent zu erhöhen. Die zusätzlichen Lehrkräfte dienen insbesondere dazu, Unterrichtsausfälle zu vermeiden und Schülerinnen und Schüler gezielter zu fördern – etwa durch Doppelbesetzungen. Damit schaffen wir konkrete Verbesserungen im Schulalltag, die unmittelbar bei den Schülerinnen und Schülern ankommen. Zugleich haben wir nach Rückmeldungen aus Schulen, Elternschaft und Schülervertretungen reagiert und die ursprünglichen Planungen zur Oberstufe angepasst. Ursprünglich vorgesehene Stundenreduzierungen in den Fächern Geschichte, Religion beziehungsweise Philosophie sowie in der zweiten Fremdsprache in der Einführungsphase werden nicht umgesetzt. Um diese Stunden weiterhin vollumfänglich anbieten zu können, stellt die Koalition zusätzlich 54 Lehrkräftestellen bereit. Damit setzen wir ein klares Signal: Wir hören zu, nehmen Rückmeldungen ernst und sind bereit, Entscheidungen dort anzupassen, wo dies pädagogisch sinnvoll ist. Gerade die genannten Fächer leisten einen wichtigen Beitrag zur Allgemeinbildung, zur Persönlichkeitsentwicklung sowie zum Verständnis gesellschaftlicher, historischer und kultureller Zusammenhänge. Deshalb war es uns wichtig, die bisherigen Stundenumfänge in diesen Bereichen zu erhalten und Planungssicherheit für Schulen sowie Schülerinnen und Schüler zu schaffen.

CDU-Landtagsfraktion