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Der Schleswig-Holsteinische Landtag und die Landesregierung werden aufgefordert, verpflichtenden WiPo Unterricht an allen Schulen ab der 5.Klasse einzuführen, um die politische Bildung in Schleswig-Holstein zu stärken und frühzeitig demokratische Kompetenzen zu fördern. Dieser soll ab der 5. Klasse einstündig und ab der 7. Klasse zweistündig unterrichtet werden. Insbesondere in der Mittelstufe sollen hierbei auch Aspekte der Verbraucherbildung und finanzieller Grundbildung eine Rolle spielen.
Ergänzender Unterricht soll als Teil des Ganztags oder als Wahlpflicht angeboten werden, sodass kein Unterricht dafür gestrichen werden muss.
Die Linke befürwortet die Ausweitung von politischer Bildung ab der 5. Klasse. WiPo sollte verbindlich sein und auch Verbraucherbildung, finanzielle Grundbildung und Themen wie soziale Ungleichheit umfassen. Allerdings darf dies nicht zu Lasten anderer wichtiger Fächer gehen. Es braucht zusätzliche Stunden und gut ausgebildete Lehrkräfte.
Wir GRÜNE unterstützen das Anliegen, Schülerinnen und Schüler gut auf das Leben vorzubereiten – dazu gehören politische Bildung, Verbraucherbildung und insbesondere auch finanzielle Grundbildung. Ein neues, eigenständiges Schulfach halten wir dafür nicht für den richtigen Weg; stattdessen stärken wir das Fach Wirtschaft/Politik: Mit zusätzlichen WiPo-Stunden ab Jahrgang 7 ab dem Schuljahr 2027/28 wird auch eine Überarbeitung der WiPo-Fachanforderungen notwendig. Dabei haben wir bereits deutlich gemacht, dass uns auch eine stärkere Verankerung der finanziellen Bildung wichtig ist.
Junge Menschen sollen befähigt werden, sich in einer zunehmend komplexen Welt zurechtzufinden und aktiv an gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen teilzuhaben. Dazu gehört neben der Vermittlung klassischer Bildungsinhalte auch ein fundiertes Verständnis für demokratische Prozesse, wirtschaftliche Zusammenhänge und den Umgang mit Informationen. Angesichts von Desinformation, gesellschaftlichen Konflikten und wirtschaftlichen Veränderungen kommt politischer und wirtschaftlicher Bildung eine besondere Bedeutung zu. Zu berücksichtigen ist dabei, dass Bildungspolitik in Deutschland in erster Linie in der Zuständigkeit der Länder liegt. Fragen zur Ausgestaltung von Unterrichtsfächern oder zur Einführung zusätzlicher Angebote werden daher auf Landesebene entschieden. Die SPD-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein setzt sich seit Jahren für eine Ausweitung des Wipo-Unterrichts ein. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten und wirtschaftliche Entwicklungen rasant verlaufen, braucht es fundierte politische und wirtschaftliche Bildung, die Orientierung gibt und zur aktiven Mitgestaltung befähigt. Wir begrüßen daher die Idee, den WiPo-Unterricht weiter auszubauen. Es ist sinnvoll, diese Inhalte frühzeitig zu vermitteln, um das politische und wirtschaftliche Verständnis zu fördern. Eine Ausweitung auf Klasse 5. sollte unter Berücksichtigung des in dieser Stufe noch größeren pädagogischen Schwerpunkt individuell von den Schulen geprüft werden können.
Aus Sicht des SSW ist das Unterrichtsfach WiPo mehr als nur Wirtschaft und Politik. Es geht aus unserer Sicht auch um Partizipation und Teilhabe an demokratischen Prozessen. Daher können wir dem Gedanken durchaus etwas abgewinnen, wenn WiPo bereits in der 5.Klasse eingeführt wird, jedoch dann mit dem Schwerpunkt auf Partizipation und Teilhabe. Gerade die demokratische Teilhabe ist für Schülerinnen und Schüler in jungen Jahren ein wichtiger Faktor, um bereits früh zu erkennen, wie und wo beispielsweise an Prozessen an der Schule mitgewirkt und gestaltet werden kann. Ab der 7. Klasse auch Aspekte der Verbraucherbildung sowie finanzielle Grundkenntnisse in den WiPo-Unterricht zu implementieren ist ein wichtiger Punkt. Das trägt dazu bei, das eigene Verbraucher- und Konsumverhalten kennenzulernen und zu verstehen. Die Umsetzung als ergänzender Unterricht sehen wir jedoch kritisch, weil aktuell die Tätigkeit von Lehrkräften im Ganztag schlicht nicht vorgesehen ist. Begrüßen würden wir jedoch pädagogische Projektarbeit zur Verbraucherbildung und demokratische Teilhabe im Ganztag.
Als Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen fordern wir eine politische Bildung im Schulsystem, den Vorschlag von Jugend im Landtag finden wir unterstützenswert. Der Bund fördert dazu Projekte wie „Demokratie Leben!“ und die Bundeszentrale für politische Bildung. Grundsätzlich liegt die Ausgestaltung der Unterrichtspläne in der Zuständigkeit der Länder, weshalb an dieser Stelle an die Landesregierung zu verweisen ist.
Im Fach WiPo lernen junge Menschen, dass ökonomische Prozesse immer politische Rahmen brauchen und dass politische Entscheidungen stets gesellschaftliche Auswirkungen haben. Es ist sinnvoll in einfacher Form damit schon in der 5. Klasse zu beginnen und Schüler*innen zu verdeutlichen, wo Politik konkrete Auswirkungen auf das eigene Leben hat. So kann Interesse geweckt und kritische Beschäftigung mit politischen Themen gefördert werden. Allerdings sollte dies nicht Aufgabe des WiPo-Unterrichts allein sein. Vielmehr sollte jede Schule daran arbeiten, eine demokratische Schulkultur zu entwickeln, in der junge Menschen sich ausprobieren und Demokratie selbst erleben können. Verbraucherbildung ist ein wichtiger Aspekt im Fach WiPo. Die Kommerzialisierung aller Lebensbereiche ist in den letzten Jahren immer weiter vorangeschritten und junge Menschen sind für viele Unternehmen eine wichtige Zielgruppe. Deshalb ist es wichtig, dass Schüler*innen ihre Rechte als Konsumenten kennen und lernen, nachhaltig mit finanziellen und natürlichen Ressourcen umzugehen. Deshalb setzt sich die SPD sowohl für die Erhöhung der WiPo-Stundenzahl ein als auch für die explizite Berücksichtigung von Verbraucherbildung im Unterricht (Drs. 20/1553). Der Ganztag oder Wahlpflichtkurse können ergänzend dazu die Möglichkeit bieten, die angesprochenen Themen tiefergehend zu behandeln.