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Der Schleswig-Holsteinische Landtag und die Landesregierung werden aufgefordert, umzusetzen, dass in der Mittelstufe für Klassen eine Möglichkeit für ein längerfristiges Praktikum eingeführt wird, vergleichbar einem Auslandsjahr.
Langfristige Praktika können sinnvoll sein, um Berufsorientierung und interkulturelle Erfahrungen zu ermöglichen. Sie dürfen aber nicht zu Lasten der schulischen Bildung gehen und müssen für alle Schüler*innen zugänglich sein, unabhängig vom Geldbeutel. Das Land sollte Austauschprogramme fördern und finanziell unterstützen.
Wir GRÜNE finden die Idee grundsätzlich interessant. Wir werden prüfen, ob und in welcher Form längerfristige Praktika als freiwilliges, gut begleitetes Angebot ergänzend zum Unterricht möglich sind.
Wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen die Berufsorientierung während der Schulzeit weiter stärken, etwa durch eine intensivierte Verankerung im WiPo-Unterricht, den Ausbau der Jugendberufsagenturen und natürlich durch erweiterte Praktikumsmöglichkeiten. Praxisphasen sind essenziell, da sie die Entwicklung wichtiger Schlüsselkompetenzen wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Selbstorganisation fördern. Gleichzeitig ermöglichen sie einen realistischen Einblick in verschiedene Berufsfelder und können die Lernmotivation erhöhen, indem schulisch erlernte Inhalte unmittelbar in der Praxis angewendet werden können. Mit dem Modellprojekt Produktives Lernen, das schulischen Unterricht mit praktischer Erfahrung in einem Betrieb über einen längeren Zeitraum verbindet, wurden sehr gute Erfahrungen gemacht. Deshalb wäre es wünschenswert, dieses Konzept stärker auszuweiten und die Umsetzung der Berufsorientierung insgesamt weiter zu verbessern. Die konkrete Ausgestaltung schulischer Angebote erfolgt im föderalen Bildungssystem jedoch wesentlich auf Landesebene und nicht auf Bundesebene.
Der SSW begrüßt den Vorstoß, Schülerinnen und Schülern in der Mittelstufe die Option eines längerfristigen Praktikums zu ermöglichen. Wir sehen darin eine große Chance, die oft beklagte Lücke zwischen schulischer Bildung und der Arbeitswelt zu schließen. Ein „Praxisjahr“ oder ein Langzeitpraktikum – analog zum etablierten Auslandsjahr – erkennt an, dass Lernen nicht nur im Klassenzimmer stattfindet. Ein solches Modell würde die berufliche Orientierung massiv aufwerten. Schleswig-Holstein braucht händeringend Nachwuchs im Handwerk, in der Pflege und in technischen Berufen. Wenn junge Menschen die Chance erhalten, ein halbes oder ganzes Jahr tief in einen Beruf einzutauchen, werden Hemmschwellen abgebaut und echte Leidenschaften für Ausbildungsberufe geweckt. Zur rechtlichen Absicherung muss das Praktikum voll auf die Schulpflicht angerechnet werden, damit den Teilnehmenden kein Nachteil bei der Abschlussplanung entstehen. Eine enge mentorielle Begleitung durch Lehrkräfte und Betriebe ist essenziell. Die Schüler dürfen während dieser Zeit nicht „abgetaucht“ sein. Die im Langzeitpraktikum erworbenen Kompetenzen müssen formal dokumentiert werden (z.B. durch ein qualifiziertes Zeugnis), das bei späteren Bewerbungen als echter Pluspunkt zählt.
Wir begrüßen den Ansatz Schüler*innen frühzeitige Einblicke in die Arbeitswelt zu ermöglichen, und somit Berufsorientierung an Schulen zu stärken. Praktische Erfahrungen können helfen eine bessere Einschätzung der eigenen Interessen und Fähigkeiten zu gewinnen, wodurch fundiertere Entscheidungen über den zukünftigen Berufs- und Bildungsweg getroffen werden können. Wir verfolgen insgesamt das Ziel, Bildung stärker an den Potenzialen junger Menschen auszurichten, damit sie vielfältige Perspektiven in der Zukunft haben. Die konkrete Ausgestaltung schulischer Angebote wird jedoch auf Landesebene bestimmt.
Jeder Bildungsweg ist individuell und kann zum gewünschten Ziel führen. Wir bekennen uns klar zur Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Schüler*innen sollen die Möglichkeit haben, frühzeitig praxisnahe Erfahrungen zu sammeln. Deshalb muss die berufliche Orientierung an allen allgemeinbildenden Schulen gestärkt werden. In Schleswig-Holstein gibt es derzeit zwei spezifische Angebote: Flex- und Praxisklassen. In Flex-Klassen bekommen die Jugendlichen mehr Zeit, um sich auf den ESA vorzubereiten und erhalten darüber hinaus zusätzliche Orientierungsangebote. Außerdem gibt es verstärkt praktische und betriebliche Anteile im Unterricht. Hierbei muss jedoch sichergestellt werden, dass schwächere Schüler*innen nicht in diese Klassen „aussortiert“ werden. Praxisklassen sind eine weitere Alternative zur Regelschule. Die Jugendlichen sind 3 Tage pro Woche in einem Betrieb und 2 Tage in der Schule. Der Unterricht bzw. die Arbeit ist nach Trimestern gegliedert und Erfahrungen aus den Betrieben werden im Unterricht aufgearbeitet. Sowohl Schüler*innen als auch Betriebe berichten von Erfolgen. Nach Ansicht der SPD-Fraktion sollten alle Gemeinschaftsschulen flächendeckend eine solche Praxisklasse etablieren können. Aber auch an Gymnasien muss eine Orientierung in nicht akademischen Berufsfeldern stattfinden. Ein langfristiges Praktikum bereits in der Mittelstufe ohne Rückkopplung an die Schule halten wir darüber hinaus für nicht zielführend.