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Der Schleswig-Holsteinische Landtag und die Landesregierung werden aufgefordert sich für Folgendes einzusetzen:
- Bessere Unterstützung für junge Menschen mit psychischen Belastungen, Stress, Mobbing oder familiären Problemen.
- Aufbau eines kostenlosen psychologischen Beratungsnetzes speziell für Kinder und Jugendliche (z. B. an Schulen oder Jugendzentren).
- Einführung einer „Vertrauensperson für mentale Gesundheit“ an jeder Schule
- Förderung anonymer Online Angebote mit Chatberatung durch Fachkräfte.
Junge Menschen sind psychisch besonders belastet, dass zeigen aktuelle Studien. Das Angebot an Therapie ist auf die aktuellen und steigenden Bedarfe nicht ausreichend eingestellt. Das liegt auch an veralteten Bedarfsplanungszahlen, die durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) festgelegt werden. Obwohl auf dem Papier Überversorgung mit Therapeut*innen besteht, gibt es viel zu lange Wartezeiten. Hierauf hat die Landespolitik keinen Einfluss. Schulsozialarbeit und Schulpsycholog*innen können einen Teil der Belastung und Bedarfe junger Menschen auffangen. Sie müssen gestärkt und noch besser vernetzt werden. Über die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung fördern wir die Initiative "Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Schleswig-Holstein", das Projekt "Verrückt? Na und! Seelisch fit in der Schule sowie eine Wanderausstellung zum Thema.
Diese Forderung der Jugend im Landtag geht in eine ähnlich sinnvolle Richtung, wie jene nach einem verbesserten Schutz von jungen Menschen und verbindlicheren Präventionsangeboten. Studien und Umfragen zufolge nehmen psychische Belastungen durch immer neue Unsicherheitsfaktoren, Stress, Mobbing oder familiäre Probleme gerade für Kinder und Jugendliche zu. Leider sehen wir aber seit Jahren, dass es zu wenig Kinder- und JugendpsychologInnen im Land gibt bzw. dass es nicht gelingt, die Wartezeiten für Therapieplätze zu verringern. Hier ist die Landesregierung also unverändert aufgefordert, durch geeignete Maßnahmen gegenzusteuern. Dass darüber hinaus auch die genannten Vertrauenspersonen für mentale Gesundheit und die geforderten anonymen Online-Angebote durch Fachkräfte sinnvoll sind, steht für uns außer Frage. Diese Anregungen der Jugend im Landtag nehmen wir gerne auf und werden uns in diesem Sinne einsetzen.
Die Linke fordert den Ausbau psychologischer Beratungsangebote für Kinder und Jugendliche an Schulen und online. Mentale Gesundheit muss priorisiert werden. Jede Schule braucht eine feste Vertrauensperson und regelmäßige psychologische Sprechstunden. Auch der Abbau von Leistungsdruck und sozialen Ängsten ist notwendig.
In Deutschland gibt es eine beängstigende und bedrohliche Krise der mentalen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Gemäß Deutschem Schulbarometer geben 21 Prozent der Schülerinnen und Schüler an, psychisch belastet zu sein und mehr als ein Viertel bewertet die eigene Lebensqualität als gering. Laut der COPSY-Studie fühlt sich mehr als ein Fünftel der Kinder- und Jugendlichen einsam. Selbstverletzungen und psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen sind in den vergangenen Jahren unter jungen Menschen enorm angestiegen. Beispielsweise haben Essstörungen bei zwölf- bis 17-jährigen Mädchen zwischen 2012 und 2022 um 54 Prozent zugenommen. Hilfe finden in dem Maße belastete Kinder und Jugendliche nicht ausreichend. An Schulen fehlt es an professioneller Unterstützung, auch gibt es viel zu wenig Therapieplätze für Kinder- und Jugendliche. Aufgrund des großen Handlungsbedarfs ist es für uns wichtig, dass Kommunen, Land und Bund an einem Strang ziehen und verstärkt Maßnahmen ergreifen, um die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu reduzieren. Zwei wichtige Signale waren beispielsweise, dass der Bund im Bundeshaushalt 2026 erstens das Angebot von Krisenchat, einem Online-Chatangebot für junge Menschen in psychischen Krisen, mit zusätzlich 2 Millionen Euro fördert, und zweitens die Förderung im Kinder- und Jugendplan um knapp 10 Millionen erhöht. Diese Mittel fließen beispielsweise in die wichtige Arbeit von Jugendzentren. Besonders aber das Startchancen-Programm, das größte Bildungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik, bringt zusätzlich Ressourcen für Schulen in schwierigen Lagen, u.a. für multiprofessionelle Unterstützungsteams. Wir halten es jedoch für notwendig, dass der Bund darüber hinaus noch stärker explizit in die psychische Gesundheit junger Menschen investiert, zum Beispiel durch mehr Mittel für Schulsozialarbeiter und Schulpsychologinnen und mehr Therapieplätze für junge Menschen. Aus unserer Sicht sollte die Finanzierung über eine neu geregelte Erbschaftssteuer erfolgen.
Als Grüne Bundestagsfraktion setzten wir uns nachdrücklich für eine deutliche Verbesserung der psychischen Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen ein und unterstützen daher die genannten Forderungen. Junge Menschen stehen heute unter vielfältigen Belastungen – etwa durch schulischen Druck, soziale Medien, Mobbing oder familiäre Herausforderungen. Wir sehen hierin eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe und betonen, dass psychische Gesundheit ein gleichwertiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung sein muss. Vor diesem Hintergrund befürworten wir den Ausbau niedrigschwelliger, kostenfreier Beratungsangebote speziell für Kinder und Jugendliche, etwa an Schulen, in Jugendzentren oder im digitalen Raum. Ein flächendeckendes Netz an leicht zugänglichen Unterstützungsstrukturen kann dazu beitragen, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, bevor sie sich verfestigen. Auch die Einführung fester Ansprechpersonen für mentale Gesundheit an Schulen bewerten wir positiv, da vertraute Bezugspersonen Hemmschwellen abbauen und Orientierung bieten können. Die Einrichtung anonymer Online-Beratungsangeboten können eine große Chance sein. Gerade für junge Menschen ist es oft einfacher, sich zunächst anonym Hilfe zu suchen. Qualifizierte Chat- und Beratungsangebote können hier eine wichtige Brücke in weiterführende Hilfesysteme darstellen. Insgesamt verfolgen wir das Ziel, Prävention, Beratung und Behandlung stärker zu verzahnen und Wartezeiten sowie Zugangshürden im Bereich der psychischen Gesundheit deutlich zu reduzieren.
Wir als SPD-Landtagsfraktion unterstützen den Beschluss von Jugend im Landtag. Psychische Belastungen, Stress, Mobbing oder familiäre Probleme dürfen nicht verharmlost werden. Gerade der Blick auf die Versorgungslage in Schleswig-Holstein zeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist: Laut Landesregierung lagen die Wartezeiten 2023 auf teil- oder vollstationäre Plätze in der Kinder- und Jugendpsychiatrie je nach Region und Einrichtung zwischen drei Monaten und zwei Jahren. Gleichzeitig stehen je nach Klinik zwischen 11 und 140 Kinder und Jugendliche auf Wartelisten. Wir müssen die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen stärken und ausbauen, damit jedes Kind adäquat versorgt wird. Schulen sind dabei auch ein zentraler Ort. Deshalb braucht es eine langfristig gesicherte psychosoziale Versorgung für Schüler:innen. Schulpsychologie und Schulsozialarbeit müssen verlässlich ausgebaut und bedarfsgerecht aufgestellt werden, damit junge Menschen bei Belastungen nicht allein gelassen werden. Hilfe darf nicht erst dann einsetzen, wenn Situationen bereits eskaliert sind, sondern muss frühzeitig ansprechbar und im Alltag präsent sein. Wir haben uns als SPD-Landtagsfraktion schon seit Jahren für eine Sicherstellung der psychosozialen Versorgung der Schüler:innen eingesetzt (Drucksache 20/2460). Seelische Gesundheit ist eine Voraussetzung für Bildung und ein gutes Aufwachsen. Deshalb unterstützen wir die Forderung nach besseren Unterstützungsstrukturen ausdrücklich und verbinden sie mit dem Anspruch, psychosoziale Hilfen für Kinder und Jugendliche in Schleswig-Holstein dauerhaft zu stärken und niedrigschwellig auszubauen. Außerdem haben wir für die Schulen die Einführung von Schulgesundheitsfachkräften gefordert (Drucksache 20/2829). Schulgesundheitsfachkräfte versorgen die Kinder bei akuter Erkrankung und leisten Erste Hilfe bei Unfällen, unterstützen chronisch kranke und/oder behinderte Kinder und informieren und beraten, sowohl die Kinder als auch Eltern und Lehrende. Sie könnten auch die „Vertrauensperson für mentale Gesundheit“ sein. Viele Bundesländer haben sich schon auf den Weg gemacht, die Schulgesundheitsfachkräfte einzuführen. In Schleswig-Holstein haben CDU und Bündnis 90/Die Grünen mit ihrer Mehrheit unseren Antrag abgelehnt, obwohl alles dafürsprach.