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JiL_2025_01_81+40 Neu Erweiterung des Lehrplans um Inhalte zu öffentlich-rechtlichen Medienstrukturen, Arbeitskreis 1

"Erweiterung des Lehrplans um Inhalte zu öffentlich-rechtlichen Medienstrukturen"

Der Schleswig-Holsteinische Landtag und die Landesregierung werden aufgefordert, den Lehrplan um Inhalte zu öffentlich-rechtlichen Medienstrukturen zu erweitern.

1. Die Landesregierung wird aufgefordert, gemeinsam mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schule Schleswig-Holstein (IQSH) den Lehrplan weiterzuentwickeln, um eine systematische Vermittlung von Wissen über die Rolle, den Aufbau und den Auftrag öffentlich-rechtlicher Medien in Deutschland sicherzustellen.
2. In den Fächern Politik, Wirtschaft/Politik, Gemeinschaftskunde oder Medienbildung sollen künftig verbindliche Unterrichtsinhalte verankert werden, die insbesondere folgende Aspekte umfassen:
a. Funktionsweise und gesellschaftliche Bedeutung öffentlich-rechtlicher Medien
b. Rechtsgrundlagen (z. B. Rundfunkstaatsvertrag, öffentlich-rechtlicher Auftrag)
c. Unterschiede zu privaten Medienangeboten
d. Bedeutung eines unabhängigen Mediensystems für Demokratie und Meinungsbildung
e. Förderung kritischer Medienkompetenz und Umgang mit Desinformation
3. Das IQSH entwickelt hierfür schulstufenangemessene Lernmaterialien sowie Fortbildungsangebote für Lehrkräfte.

Der Umfang der Einheit sollte ungefähr 1-2 Blöcke umfassen.

An weiterführenden Schulen in Schleswig-Holstein sollen einmal pro Schulhalbjahr Unterrichtseinheiten zu Medienkompetenz, Fake News und Meinungsbildung eingeführt werden. Diese sollen am besten in Zusammenarbeit mit Journalistinnen, Medienpädagoginnen oder Initiativen (z. B. „Journalismus macht Schule“) stattfinden.

Die Linke unterstützt die Vermittlung von Medienkompetenz und Wissen über öffentlich-rechtliche Medien. Dies ist wichtig für die Demokratie und die Unterscheidung von seriösen und manipulativen Quellen. Allerdings muss auch die Kritik an Medienkonzentration, Lobbyismus und die Förderung von unabhängigen, nicht-kommerziellen Medien thematisiert werden. Die Zusammenarbeit mit Journalist*innen und Medienpädagog*innen ist sinnvoll.

Lorenz Gösta Beutin, Landesgruppensprecher der schleswig-holsteinischen Abgeordneten der Linken im Bundestag

Wir GRÜNE teilen das Anliegen, Medienkompetenz zu stärken und junge Menschen dazu zu befähigen, Desinformation zu erkennen und sich eine fundierte Meinung zu bilden. Medienkompetenz ist bereits Bestandteil der aktuellen Fachanforderungen. Wir werden bei der anstehenden Überarbeitung der WiPo-Fachanforderungen prüfen, inwiefern wir diesbezüglich einen Überarbeitungsbedarf sehen.

Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die aktuellen gesellschaftlichen Debatten werden zunehmend durch Desinformation, algorithmisch bedingte Meinungsverzerrungen und Propaganda im Internet beeinflusst. Vor diesem Hintergrund ist das Vorhaben, die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu stärken, sehr unterstützenswert. Auch der Vorschlag, einen stärkeren Fokus auf öffentlich-rechtliche Medien im Lehrplan zu legen, ist durchaus sinnvoll. Diese leisten einen entscheidenden Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung und sind damit eine zentrale Voraussetzung für eine pluralistische und demokratische Gesellschaft. Ein kritischer Umgang mit Medien sowie politische Bildung sind wichtige Maßnahmen zur Prävention von Radikalisierung und verdienen daher besondere Aufmerksamkeit. Wie genau diese Themen im Unterricht behandelt werden, fällt jedoch ebenfalls naturgemäß in den Zuständigkeitsbereich der Länder.

Nina Scheer, Landesgruppensprecherin der schleswig-holsteinischen Abgeordneten SPD im Bundestag

Der SSW begrüßt die Initiative, die Strukturen unseres Mediensystems und insbesondere den Stellenwert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks fester im Lehrplan zu verankern. In einer Zeit, in der soziale Medien oft als Primärquelle dienen und Desinformation gezielt zur Destabilisierung der Gesellschaft eingesetzt wird, ist die Fähigkeit zur Quellenkritik eine Überlebensbedingung für die Demokratie. Für den SSW ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk ein unverzichtbarer Pfeiler unserer Informationsgesellschaft. Doch nur wer versteht, wie er finanziert wird, wie er kontrolliert wird und warum er staatsfern organisiert ist, kann seinen Wert gegenüber populistischen Angriffen verteidigen. Es muss im Unterricht klar herausgearbeitet werden, worin der Unterschied zwischen dem gemeinwohlorientierten Auftrag des ÖRR und den markt- bzw. klickzahlgetriebenen Modellen privater Anbieter und Plattformen liegt. Mit einem Umfang von 1–2 Blöcken pro Halbjahr ist die Forderung realistisch und umsetzbar. Wir müssen jedoch sicherstellen, dass die Lehrkräfte durch das IQSH nicht nur Material erhalten, sondern auch die nötige Zeit und Fortbildung, um diese teils hochkomplexen und politisch aufgeladenen Themen neutral und sicher zu moderieren.

SSW-Landtagsfraktion

Wir begrüßen das Ziel Medienkompetenz und das Verständnis für Medienstrukturen bei Schüler*innen zu stärken. In einer zunehmend digitalen Welt ist es für uns entscheidend, dass junge Menschen Informationen kritisch bewerten und Desinformationen erkennen können. Wir setzen uns dafür ein Medienbildung und demokratische Bildung zu stärken. Ein unabhängiges Mediensystem und der öffentlich-rechtliche Rundfunk spielen eine wichtige Rolle für Meinungspluralismus und Orientierung in unserer Demokratie und sollten daher auch im Bildungsbereich vermittelt werden. Die konkrete Ausgestaltung dessen innerhalb von Lehrplänen und Fragen von Umfang, fällt allerdings in die Kompetenz der Länder.

Denise Loop, Landesgruppensprecherin der schleswig-holsteinischen Abgeordneten Grüne im Bundestag

Der Antrag geht in die richtige Richtung. Öffentlich-rechtliche Medien sind in einer Demokratie unersetzlich. Es braucht eine informierte Öffentlichkeit und es braucht Journalismus, der nicht darauf angewiesen ist, Gewinne zu erzielen. Als Partner bei der Konzeptentwicklung sollte die Landesregierung nicht nur das IQSH einbeziehen, sondern weitere Kompetenz nutzen, die in Schleswig-Holstein vorhanden ist. Die Landesmedienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein, die für die Aufsicht von Medien zuständig ist, aber gleichzeitig Aufklärungsangebote an Schulen macht, wäre hierfür geeignet. Auch der Offene Kanal hat einen Bildungsauftrag, dem er momentan leider nicht so stark nachkommen kann, wie er nachgefragt wäre, weil das Geld fehlt. Auch hier wäre die Landesregierung gefragt.

SPD-Landtagsfraktion