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JiL_2025_01_89 Neu Stärkung der Berufsorientierung und zweites Pflichtpraktikum, Arbeitskreis 1

"Antrag: Stärkung der Berufsorientierung und zweites Pflichtpraktikum"

Der Schleswig-Holsteinische Landtag und die Landesregierung werden aufgefordert, die Berufsorientierung und Praktika wie folgt zu verändern:

1. In Klasse 8 wird ein unbenotetes Modul Berufsorientierung angeboten (Bewerbung, Praktikumsbegleitung, Betriebskontakte).
2. Im Verlauf der Sekundarstufe wird ein zweites verpflichtendes Praktikum von mindestens zwei Wochen Dauer eingeführt.
3. Parallel zum Praktikum ist eine engmaschige Begleitung durch die Lehrkräfte (Bewerbung, Praktikumsbericht, Praktikumsmesse) vorgesehen.
4 . Schulen müssen einen Beauftragten für Berufsorientierung ernennen, der sich für die Umsetzung von Berufsorientierung-Konzepten einsetzt. Diese Lehrkräfte sollen ebenfalls die Möglichkeit auf Stundenentlastung für ihre Arbeit erhalten.

Die Umsetzung wird erstmals zum Schuljahr 2027/28 überprüft.

Die Linke unterstützt eine verbesserte Berufsorientierung, die nicht nur auf betriebliche Interessen abzielt, sondern auch auf eine kritische Auseinandersetzung mit Arbeitsbedingungen, Ausbeutung und Alternativen. Ein zweites Praktikum kann sinnvoll sein, muss aber gut begleitet werden und darf nicht zu Lasten der schulischen Bildung gehen. Die Stundenentlastung für Lehrkräfte ist notwendig.

Lorenz Gösta Beutin, Landesgruppensprecher der schleswig-holsteinischen Abgeordneten der Linken im Bundestag

Wir GRÜNE halten eine starke Berufsorientierung an den Schulen für sehr wichtig. Dass das bisherige Wirtschaftspraktikum zu einem breiter angelegten „Wirtschafts- und Berufsorientierungspraktikum“ weiterentwickelt wird, können wir uns sehr gut vorstellen und haben dies auch schon gefordert.

Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wesentliche Elemente der vorgeschlagenen Maßnahmen sind bereits heute Bestandteil bestehender Konzepte in Schleswig-Holstein und werden sowohl im Koalitionsvertrag auf Bundesebene vom April 2025 unterstützt wie auch durch frühzeitige und verbindlich begleitete Berufsorientierung durch Praktika als verpflichtende schulische Veranstaltungen umgesetzt. Lehrkräfte übernehmen dabei pädagogisch geschult Vor- und Nachbereitung und haben eine zentrale Rolle in der Organisation, individuellen Beratung und Reflexion. Die im Appell genannten Maßnahmen – etwa eine intensivere Vorbereitung in Form von Bewerbungsmodulen, eine engmaschige Begleitung während der Praktika oder die stärkere Koordination durch verantwortliche Lehrkräfte – werden an vielen Schulen bereits umgesetzt. Vor diesem Hintergrund liegt der Mehrwert des Appells weniger in der Einführung grundsätzlich neuer Instrumente als vielmehr in der stärkeren Verbindlichkeit, Vereinheitlichung und strukturellen Absicherung bestehender Angebote. Insbesondere die Forderung nach klar definierten Zuständigkeiten sowie einer angemessenen zeitlichen Entlastung für koordinierende Lehrkräfte begrüßen wir Sozialdemokraten dabei ausdrücklich. Entscheidend für den weiteren Erfolg wird sein, die vorhandenen Strukturen konsequent weiterzuentwickeln, Doppelstrukturen zu vermeiden und die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern – insbesondere der Bundesagentur für Arbeit und den Jugendberufsagenturen – weiter zu stärken. Als Beitrag zur Qualitätssicherung und eine nachhaltige Umsetzung muss vor allem Wert auf eine ausreichende Ressourcenausstattung gelegt werden.

Nina Scheer, Landesgruppensprecherin der schleswig-holsteinischen Abgeordneten SPD im Bundestag

Der SSW begrüßt diesen detaillierten Forderungskatalog zur Reform der Berufsorientierung. In einem Land, das so stark von kleinen und mittelständischen Betrieben, dem Handwerk und dem Dienstleistungssektor geprägt ist wie Schleswig-Holstein, darf die Schule keine „theoretische Blase“ sein. Besonders im ländlichen Raum und in den Grenzregionen müssen wir junge Menschen frühzeitig mit den attraktiven Arbeitgebern vor Ort zusammenbringen. Eine strukturierte Berufsorientierung ist die beste Wirtschaftsförderung, die wir als Land betreiben können. Sie sichert, dass unsere Betriebe auch in Zukunft die Fachkräfte finden, die sie so dringend benötigen. Die Entscheidung für einen Beruf ist eine der wichtigsten Weichenstellungen im Leben. Wir unterstützen es daher ausdrücklich, diesen Prozess zu systematisieren und ihm den nötigen zeitlichen und personellen Raum zu geben.

SSW-Landtagsfraktion

Wir sehen es als wichtigen Ansatz, die Berufsorientierung an Schulen zu stärken und Schüler*innen einen guten Übergang von Schule zu Ausbildung zu ermöglichen. Praxisnahe Bausteine wie Praktika sind dabei ein wichtiger Baustein, um Interessen zu erkennen und fundierte Entscheidungen in der Berufswahl treffen zu können. Daher setzten wir uns im Bundestag dafür ein Berufsorientierung auszubauen und die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung zu stärken. Die Umsetzung dessen in spezifischen schulischen Angeboten ist jedoch Ländersache. https://www.gruene-bundestag.de/unsere-politik/fachtexte/beste-perspektiven-durch-berufliche-qualifizierung/

Denise Loop, Landesgruppensprecherin der schleswig-holsteinischen Abgeordneten Grüne im Bundestag

In Zeiten demografischen Wandels, Digitalisierung und dem Aufkommen von KI ist es verständlich und richtig, dass sich Schüler*innen mehr praktische Angebote wünschen. Bereits jetzt sind in den meisten Schulen zwei Praktika eher die Regel als die Ausnahme. Es gilt jedoch einerseits bessere Praktikumsangebote in Gemeinschaftsschulen zu schaffen (JiL 38/64), die längere Praxisphasen ermöglichen, und andererseits die Berufsorientierung im Gymnasium nicht allein auf ein Abitur und ein anschließendes Hochschulstudium auszurichten. Wir fordern daher die Beibehaltung von Coaching-Fachkräften an Schulen (Drs. 20/2302) und unterstützen Projekte wie die Werkstatttage, die vom SHIBB angeboten werden.

SPD-Landtagsfraktion