Navigation und Service des Schleswig-Holsteinischen Landtags

Springe direkt zu:

JiL_2025_01_91 Einführung eines kostenlosen Landestickets für Auszubildende, Arbeitskreis 3

"Einführung eines kostenlosen Landestickets für Auszubildende"

Der Schleswig-Holsteinische Landtag und die Landesregierung werden aufgefordert, sich für Folgendes einzusetzen:
1. Einführung eines landesweit gültigen „SH-Azubi-Ticket“, das Auszubildenden und Meisterschülerinnen und -schülern kostenlose Nutzung des ÖPNV in Schleswig-Holstein ermöglicht.
2. Die Finanzierung soll durch eine Kombination aus Landesmitteln und Beiträgen der Wirtschaft (z. B. über die Kammern) erfolgen.
3. Das Ticket soll analog zum bestehenden Semesterticket gestaltet werden.
4. Das Azubi-Ticket wird gemeinschaftlich von Arbeitgebern und dem Land Schleswig-Holstein finanziert.

=> nicht befasst/aufgegangen in anderem Antrag

Die Linke fordert ein kostenloses Landesticket für Auszubildende, finanziert durch Land und Wirtschaft. Mobilität darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Das Ticket sollte auch für Schüler*innen, Studierende und Freiwilligendienstleistende gelten.

Lorenz Gösta Beutin, Landesgruppensprecher der schleswig-holsteinischen Abgeordneten der Linken im Bundestag

Wir halten die Idee eines landesweit gültigen Azubi-Tickets grundsätzlich für sinnvoll. Gerade im Flächenland Schleswig-Holstein sind viele Auszubildende auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Lange Wege zur Berufsschule oder zum Ausbildungsbetrieb dürfen kein Hindernis für eine Ausbildung sein. Ein bezahlbares Ticket kann deshalb einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung und zu mehr Chancengerechtigkeit leisten. Auch die SPD in Schleswig-Holstein hat sich bereits für ein solches Modell eingesetzt. So wurde im Landtag ein Bildungsticket für Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und Studierende vorgeschlagen, das jungen Menschen eine günstige Nutzung des ÖPNV ermöglichen soll. Ziel war es, Mobilität bezahlbar zu machen und junge Menschen früh an Bus und Bahn zu binden. Gleichzeitig sollte ein Azubi-Ticket solide finanziert sein und nicht zulasten des Ausbaus des Angebots gehen. Denn ein günstiges Ticket hilft wenig, wenn Busse und Bahnen nicht zuverlässig fahren oder die Anbindung im ländlichen Raum unzureichend ist. Deshalb halten wir eine gemeinsame Finanzierung von Land, Wirtschaft und weiteren Partnern grundsätzlich für sinnvoll. Wichtig ist dabei aber, dass kleine Betriebe nicht überfordert werden und die Umsetzung praktikabel bleibt. Aus unserer Sicht sollte Schleswig-Holstein deshalb prüfen, wie ein Azubi-Ticket sinnvoll in bestehende Angebote wie das Deutschlandticket integriert werden kann. Andere Bundesländer gehen diesen Weg bereits. In Berlin und Brandenburg planen SPD und CDU beispielsweise ein vergünstigtes Azubi-Ticket mit Landeszuschuss, um Auszubildende finanziell zu entlasten und den Zugang zur Ausbildung zu erleichtern. Wir unterstützen daher das Ziel eines landesweiten Azubi-Tickets. Entscheidend ist jedoch, dass es Teil eines Gesamtkonzepts wird. Dazu gehört ein verlässlicher ÖPNV, bessere Verbindungen im ländlichen Raum und eine faire Finanzierung. So schaffen wir echte Verbesserungen für Auszubildende und stärken gleichzeitig klimafreundliche Mobilität.

Nina Scheer, Landesgruppensprecherin der schleswig-holsteinischen Abgeordneten SPD im Bundestag

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen unterstützt Initiativen, die die Mobilität von Auszubildenden und Meisterschülerinnen und -schülern verbessern und damit die Chancengleichheit im Bildungssystem stärken. Ein landesweit gültiges, kostenloses „SH-Azubi-Ticket“ würde es jungen Menschen ermöglichen, unabhängig von ihrem Wohnort und den finanziellen Möglichkeiten am öffentlichen Nahverkehr teilzunehmen, den Ausbildungsort zuverlässig zu erreichen und gleichzeitig umweltfreundliche Mobilität zu nutzen. Die Grünen sehen in einer solchen Lösung eine sinnvolle Ergänzung bestehender Angebote wie dem Semesterticket für Studierende. Die gemeinschaftliche Finanzierung durch das Land und die Wirtschaft – etwa über Kammern und Ausbildungsbetriebe – entspricht dem grünen Ansatz, öffentliche Infrastruktur partnerschaftlich und nachhaltig zu gestalten. Zudem würde ein landesweites Azubi-Ticket den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr erleichtern, Staus und CO₂-Emissionen reduzieren und langfristig die Attraktivität des ÖPNV erhöhen. Einige Bundesländer unter grüner Regierungsbeteiligung, wie z.B Hamburg, haben bereits ein kostenloses Deutschlandticket für alle Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden Schulen etabliert. Für BerufsschülerInnen gibt es ein solches Angebot jedoch auch hier noch nicht. Wir fordern daher eine konsequente familienfreundliche Weiterentwicklung des Deutschlandtickets und möchten auch eine kostenlose Mitnahme von Kindern und Jugendlichen in Begleitung von Erwachsenen auf dem Ticket ermöglichen. Seit dem Sommersemester 2024 haben fast drei Millionen Studierende die Möglichkeit, vom vergünstigten Deutschlandticket zu profitieren. Auch Azubis und Freiwilligendienstleistende erhalten mit dem Bildungsticket ein Vergünstigtes Angebot sowie alle Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden Schulen.

Denise Loop, Landesgruppensprecherin der schleswig-holsteinischen Abgeordneten Grüne im Bundestag

Wir unterstützen den Vorschlag an sich, aber noch besser fänden wir es, wenn der ÖPNV für alle in Schleswig-Holstein aus einer Umlage finanziert wird. Wenn Menschen unter 18 Jahren keine Beiträge zahlen hat das den gleichen Effekt wie ein kostenloses Azubi-Ticket. Ein Azubi-Ticket als stark vergünstigtes Deutschland-Ticket gibt es bereits.

Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Mobilität ist eine Frage der Bildungsgerechtigkeit und der sozialen Teilhabe. Junge Menschen müssen unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern Schule, Ausbildung, Hochschule oder Einsatzstelle erreichen können. Wer es ernst meint mit Chancengleichheit, darf Mobilität nicht vom Wohnort oder vom Einkommen abhängig machen. Derzeit ist die Situation in Schleswig-Holstein allerdings unübersichtlich und wenig gerecht. Studierende nutzen ein verpflichtendes Semesterticket, Freiwilligendienstleistende erhalten ein spezielles Ticket, das unterschiedlich stark abgerufen wird. Für Auszubildende gibt es bislang kein eigenes Azubi-Ticket – sie können lediglich das vergünstigte Jobticket von NAH.SH nutzen, das jedoch nicht kostenfrei ist. Gleichzeitig sind die Schülerbeförderungskosten Kreissache; in fast allen Kreisen müssen Familien weiterhin die Hauptlast tragen. Dieses Nebeneinander verschiedener Regelungen für unterschiedliche Gruppen junger Menschen gehört aus unserer Sicht grundsätzlich auf den Prüfstand. Vor dem Hintergrund der positiven Erfahrungen mit dem Deutschlandticket stellt sich die berechtigte Frage, ob ein landesweit einheitliches Jugendticket nicht gerechter, transparenter und langfristig sogar wirtschaftlicher wäre. Ziel muss es sein, allen jungen Menschen einen einfachen und bezahlbaren Zugang zum ÖPNV im gesamten Land zu ermöglichen. Auf dem Weg dorthin halten wir mindestens ein landesweites 365-Euro-Ticket für einen sinnvollen und realistischen Zwischenschritt.

SPD-Landtagsfraktion