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Der Schleswig-Holsteinische Landtag und die Landesregierung werden aufgefordert, sicherzustellen, dass Lehrkräfte, Schulsozialarbeitende und weiteres pädagogisches Personal an weiterführenden Schulen künftig regelmäßig an verpflichtenden Fortbildungen zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen teilnehmen. Alle Lehrkräfte sollten sich mindestens einmal alle 10 Jahre fortbilden lassen. Eine erste Fortbildung sollte vor 2030 stattfinden. Diese Fortbildungen sollen grundlegende Kenntnisse zu folgenden Themen vermitteln: Erkennen psychischer Belastungen und Erkrankungen, Gesprächsführung mit betroffenen Schüler*innen, Weitervermittlung an Hilfsangebote sowie Präventionsstrategien zur Stärkung der seelischen Gesundheit im Schulalltag. Die Durchführung der Fortbildungen soll durch das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) in Kooperation mit Fachorganisationen wie der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Schleswig-Holstein e. V. (LVGFSH), der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) oder regionalen Jugendhilfeträgern erfolgen. Die Landesregierung wird beauftragt, dafür entsprechende finanzielle Mittel bereitzustellen, landesweite Fortbildungsstandards zu entwickeln und regelmäßig über den Umsetzungsstand zu berichten.
Die Linke fordert regelmäßige, verpflichtende Fortbildungen für Lehrkräfte und Schulsozialarbeitende zur psychischen Gesundheit von Jugendlichen. Schulen brauchen zudem mehr Schulpsychologinnen, Sozialarbeiterinnen und multiprofessionelle Teams, um frühzeitig Unterstützung bieten zu können. Die Fortbildungen müssen praxisnah und kostenlos sein.
Wir sehen seit der Corona-Pandemie einen deutlichen Anstieg psychischer Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Das nehmen wir sehr ernst. Deshalb haben wir bereits reagiert und im Rahmen des „Sofortprogramms zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen bei psychosozialen Folgen von Pandemie und Krisen“ die Stellen der Schulpsycholog*innen landesweit verdoppelt. Auch das Fortbildungsangebot zur psychischen Gesundheit sollte in unseren Augen weiter ausgebaut werden. Lehrkräfte sind aber schon heute verpflichtet, regelmäßig an Fortbildungen teilzunehmen. Eine starre landesweite Pflicht mit festen Intervallen für alle halten wir aber nicht für sinnvoll, weil die Fortbildungsbedarfe sich individuell unterscheiden und es neben der psychischen Gesundheit auch andere wichtige Themen gibt.
In der Ausbildung von Lehrer*innen und Schulsozialarbeiter*innen spielt die mentale Gesundheit von Schülerinnen und Schülern bereits jetzt eine Rolle. Die aktuelle Krise der mentalen Gesundheit, auf die die jungen Menschen selbst – zum Beispiel in der Bundesschülerkonferenz – zu Recht hinweisen, zeigt jedoch, dass es einen großen Handlungsbedarf auch am Lern- und Lebensort Schule gibt. Daher können wir uns hinter dem Ansinnen des Antrags versammeln, Lehrkräften und Schulsozialarbeiten mit Fortbildungen zur psychischen Gesundheit ein breites Wissen zur Verfügung zu stellen und einen praktisch im Schulalltag anwendbaren Werkzeugkoffer an die Hand zu geben. Für das Schulwesen und damit auch für das Fortbildungswesen im Schulbereich gilt verfassungsrechtlich grundsätzlich die Länderzuständigkeit. Wir plädieren jedoch dafür, dass der Bund in Hinblick auf die mentale Gesundheit junger Menschen ganz grundsätzlich seiner Verantwortung für die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse stärker nachkommt und dafür sorgt, dass belastete Kinder und Jugendliche die Hilfe bekommen, die sie benötigen. Aus unserer Sicht braucht es konkrete, mit ausreichend Finanzmitteln hinterlegte Maßnahmen für Prävention und Früherkennung ebenso wie mehr in dem Bereich qualifizierte Schulsozialarbeiter und Schulpsychologinnen, aber auch mehr Therapieplätze für junge Menschen. Die Finanzierung könnte über eine neu geregelte Erbschaftssteuer erfolgen.
Der SSW unterstützt die Forderung nach verpflichtenden Fortbildungen zur psychischen Gesundheit für das gesamte pädagogische Personal mit Nachdruck. Wir erleben in unseren Schulen eine besorgniserregende Zunahme von psychischen Belastungen, Angststörungen und Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. Schule ist heute mehr als nur ein Ort der Wissensvermittlung; sie ist ein Lebensraum. Ein Kind, das unter seelischem Druck steht, kann nicht lernen. Lehrkräfte und Schulsozialarbeitende brauchen daher das nötige Werkzeug, um Warnsignale frühzeitig zu erkennen und professionell zu reagieren. Pädagogen müssen keine Therapeuten werden, aber sie müssen wissen, wie man eine Brücke zum Hilfssystem schlägt. Die Vermittlung von Gesprächsführung und die Kenntnis regionaler Hilfsangebote sind hierbei entscheidend. Für die Lehrkräfte muss geklärt sein; das Fortbildung Arbeitszeit ist. Es muss sichergestellt werden, dass für diese Zeiten Vertretungsregelungen greifen, damit der Unterrichtsausfall minimiert wird. In Dänemark und anderen skandinavischen Ländern wird dem Wohlbefinden in der Schule ein hoher Stellenwert beigemessen. Dort ist es Standard, dass die Schule als Gemeinschaft die psychische Resilienz stärkt. Wir wollen, dass Schleswig-Holstein hier aufschließt.
Wir stimmen zu, dass die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen stärker in den politischen Fokus rücken und sich die Versorgung verbessern muss. Belastungen müssen frühzeitig erkannt werden und Schule kann hier eine wichtige Rolle spielen. Lange Wartezeiten und ein steigender Bedarf sind große Hürden, hier könnte niedrigschwellige Unterstützung helfen. Unser Einsatz betrifft jedoch vor allem die Gesundheitsversorgung. Maßnahmen im Bereich schulischer Fortbildungen sowie deren konkrete Ausgestaltung liegen hingegen in der Zuständigkeit der Länder.
Die Anforderungen an pädagogisches Personal sind über die letzten Jahrzehnte gestiegen. Es ist nur folgerichtig, dass sich deshalb auch die Aus- bzw. Fortbildung der Lehrkräfte verändert. Immer mehr Schüler*innen berichten von psychischen Belastungen (siehe JiL 38/92) und Schule muss in der Lage sein darauf angemessen zu reagieren. Wir unterstützen die Forderung nach Fortbildungen von Lehrpersonal und verweisen darauf, dass es bereits jetzt gute und unterstützenswerte Projekte gibt. Nur eine dieser wichtigen Organisationen ist „TiK-SH“, die Lehrer*innen strukturell dabei unterstützt mit schwierigen Situationen in ihren Klassen umzugehen und auf jedes Kind individuell eingehen zu können. Die SPD-Fraktion steht hinter den Lehrkräften, die sich täglich den Herausforderungen des Schulalltags in Schleswig-Holstein stellen und möchte für sie bessere Fortbildungsangebote schaffen. Ungeachtet dessen sollen auch Eltern von neurodivergenten Kindern bessere Beratungs- und Unterstützungsangebote bekommen, um besser auf ihr Kind reagieren zu können.